Wahnsinnig verliebt beginnt wie eine dieser klassischen bittersüßen Liebesgeschichten, die man schon unzählige Male gesehen hat. Nur wirkt hier alles noch ein bisschen kitschiger und süßlicher als sonst schon.
Laetitia Colombani 
treibt die Klischees des romantischen Kinos auf die Spitze. Die (fast schon zu) weit aufgerissenen Rehaugen Angéliques und die viel zu golden schimmernden Bilder ihres Kameramanns Pierre Aim sind bezaubernd und zugleich irritierend. Was zu schön ist, um wahr zu sein, kann eben nur falsch sein. Und so wird aus diesem filmischen Liebestraum schließlich ein überraschend harter Psychothriller, der seine Geschichte gleich zweimal erzählt, erst aus Angéliques und dann aus Loics Perspektive.
Mit einer fast schon erschreckenden Unbarmherzigkeit zertrümmert Wahnsinnig verliebt all die romantischen und sentimentalen Vorstellungen, die sich die Menschen von der Liebe machen. Wer liebt, wird nie mit letzter Sicherheit sagen können, ob seine Gefühle tatsächlich im erhofften Maße erwidert werden, ihm bleibt nur die Selbsttäuschung. Für Laetitia Colombani scheint Liebe nichts als eine äußerst gefährliche Form von Realitätsverlust und Wahnsinn zu sein. Und auch wenn man sich dieser bitteren Einschätzung eigentlich nicht anschließen will, besticht die Argumentation der jungen Regisseurin durch eine Logik, der man kaum etwas entgegensetzen kann. Das macht Wahnsinnig verliebt zu einem Abenteuer, aber letztlich auch zu einem erstaunlich kalten und intelligenten Film.
Der hier gebotene Clou ist originell wenn auch nicht neu, Filme wie
"Eine verhängnisvolle Affäre
" haben in der Vergangenheit ja bereits das Bild von der schönen Frau entworfen, die nach erotischen Höhenflügen zum Monster werden kann, auch die Verwandlung der Audrey Tautou von Amélie in Angélique gelingt stellenweise nur bedingt, was seine Ursache aber weder in ihrem Spiel noch in der Inszenierung haben muss, man ist einfach so auf die Herzensgute eingestellt.
Wahnsinnig Verliebt wurde auf dem Plakat lockend als "Die dunkle Seite von Amélie" angekündigt. Tatsächlich muss jeder, der
Die fabelhafte Welt der Amélie gesehen hat, insbesondere zu Beginn des Films beim Anblick der wunderbaren Audrey Tautou nur an die Fee Amélie denken. Ob das ein Segen oder ein Fluch für die junge Französin ist, bleibt abzuwarten. Der Imagewechsel von Audrey Tautou gelingt in hier dann auch nur bedingt, denn Regisseurin Laetitia Colombani setzt unverhohlen auf den kindlichen Schneewittchen-Charme ihrer Hauptdarstellerin, so dass Angélique zeitweise wie Amélies böse Zwillingsschwester daherkommt.
Leider bleibt als kritischer Beigeschmack wieder einmal die doch stereotype Darstellung der weiblichen Hauptrolle. Gerade von einer Frau aus Regisseurin hätte ich mir ein etwas reflektierteres Frauenbild gewünscht, das uns in die Tiefen und Facetten der (doch so geheimnisvollen) weiblichen Psyche entführt. Doch spielt es sich hier wieder einmal zwischen jugendlicher Unschuld und femme fatale ab. Gibt es denn nur diese beiden Typen von Frau, die ideale und die dämonische? Von der Bühne unserer kulturellen Imagination ist dieses dualistische Schema scheinbar nicht wegzubekommen.