Kein Zweifel, vom technischen Standpunkt her hat dieser Film eine neue Ära eingeleitet. Es ist der erste Film, der mit der
High Definition Digital Camera eine revolutionäre neue Aufnahmetechnik verwendete und kommt somit George Lucas zuvor, der für
"Star Wars: Episode II - Angriff der Klonkrieger
" die gleiche Technologie verwendet hat. Das ermöglicht auch eine Kritik, die völlig losgelöst von der Narration des Films ist. Erwähnt sei lediglich, dass die Story weder schlecht noch simpel gestrickt ist. Hier ist ein durchaus ansehnlicher Thriller entstanden.
Aber das Entscheidende an Vidocq ist zweifellos seine technische Umsetzung.
Die Herkunft des Regisseurs
Pitof 
offenbart sich in jeder Sekunde des Films. Er zeichnete bereits verantwortlich für die visuellen Effekte bei
Alien 4: Resurrection und
Die Stadt der Verlorenen Kinder. Jede Aufnahme beinhaltet Effekte. Das Ganze wird dann noch mit außergewöhnlichen Kamerafahrten, Soundeffekten, wohl choreographierten Kampfsequenzen, aufwändigen Kostümen und einem sehr schönen Set-Design versüßt. Die Einzigartigkeit der Bilder wird dem Zuschauer in den ersten Sekunden des Films bereits vor Augen geführt, und ist auch im Verlauf noch zu Steigerungen in unbekannte ästhetische Wohlgenüsse fähig. Das
Zusammenspiel von Farben und Konturen des Sets, der Beleuchtung und dem
Wechsel von Räumlichkeit und Zweidimensionalität (besonders in den senkrechten Draufsichten) steht zumindest im kommerziellen Film bisher einzigartig da. Dass da manchmal etwas übertrieben wurde, wenn es beispielsweise um die Färbung des Firmaments geht, ist offensichtlich, durchaus beabsichtigt und der Stimmung des Geschehens zuträglich. Oft ertappt man sich, ob der faszinierenden Bilder den Handlungsverlauf aus dem Fokus zu verlieren. Als ob
Pitof 
dies erwartet hätte, bietet der Film in den optisch aufregendsten Momenten Dialogpausen, in denen sich der Zuschauer seiner Lust am Schauen ungezwungen hingeben kann.
Da die technische Komponente für diesen Filmgenuss eine nicht zu unterschätzende Rolle gespielt hat, seihen noch ein paar Worte zur Umsetzung erlaubt:
Nach
Die Stadt der verlorenen Kinder entwickelte
Pitof 
Software für digitale Spezialeffekte auf der Basis mehrerer Auflösungen, die er für Feature-Filme nutzte. Da es kein ausgesprochenes Tool für Spezialeffekte auf dem Markt gab, entwickelte
Pitof 
Spezifikationen mit einer streng auf die Filmproduktion ausgerichteten Logik. Seine
"Dutruc" Software wird in Kürze auch auf Mac OS X portiert!
Pitof 
entschied sich bewusst für Apple Lösungen anstelle "wesentlich teurerer Hardware und viel komplizierterer Software".
Pitof 
sagt weiter: "Aus Gründen der Produktivität und der Kreativität entschieden wir uns für kleine Arbeitsplatzrechner und Standardsoftware. Der Einsatz kompakter Hardware ist eine Herausforderung, die dem Film eine kreative menschliche Dimension verleiht."
Die digitale Bearbeitung wurde daher auf einem Power Mac G4 mit Final Cut Pro Software und einer Cinewave-Karte durchgeführt. Anschließend wurde der Film direkt vom Computer auf HD-Band übertragen. Die farbliche Verarbeitung erfolgte ebenfalls auf einem Power Mac G4 mit Hilfe von discreet-Combustion, die Farbflächen-Effekte wurden in Adobe-Photoshop auf der gleichen Hardwareplattform erstellt.
Im Ergebnis liefen damit Aufnahme und Post-Produktion praktisch parallel ab, sodass auf die externe Bearbeitung von Spezialeffekten völlig verzichtet werden konnte. Die ursprüngliche Aufgabe – das Drehen eines Abenteuerfilms mit menschlicher Dimension – war damit erfüllt. "Ich wollte die Fähigkeiten des Bedieners der Maschine ins rechte Licht gerückt sehen", erläutert
Pitof 
abschließend.
Man mag dem Regisseur eine
oberflächliche Charakterzeichnung vorwerfen können, dennoch ist man bis zum Schluss gespannt, wer oder was "der Alchimist" ist und welche Ziele er verfolgt. Auch sonst hat die Handlung einige
Überraschungen zu bieten. Was
Pitof 
mit seinen Regiedebut gelungen ist, mag (vor allem bei Liebhabern des Realismus) nicht auf unumstrittene Zustimmung stoßen, aber ein Dogma-Film sollte dies nicht werden. Alle Spezialeffekte sind absichtlich und wohl dosiert verwendet worden, ohne dabei den Eindruck einer Effekthascherei zu erzeugen, da sie sich ununterbrochen(!) durch den gesamten Film ziehen.
Fazit: Ein absolutes Muss für jeden, der die Möglichkeit hat, diesen Film in einem Kino zu sehen.