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28 Days Later
Original-Titel: 28 Days Later
Land/Jahr: Groß Britannien/USA / 2002
Genre: Science Fiction, Horror
Mit: Cillian Murphy .... Jim
Naomie Harris .... Selena
Brendan Gleeson .... Frank
Regie: Danny Boyle
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    Die Tage sind gezählt, denn ein Virus macht aus Menschen Monster! Aber ist 28 Tage später auch der versprochene Horrorschocker der Superlative, der uns ohne Fingernägel aus dem Kino wandern lässt?

    Eine Kritik von Marcus Schäferbarthold, 10.06.2003
 
Inhalt
 
 
In einem Forschungslabor mitten in London versuchen Tierschutzaktivisten, ein paar Schimpansen zu befreien und entfesseln ein tödliches Virus: Wut! Übertragen durch Körperflüssigkeiten, mit einer Inkubationszeit von 20 Sekunden, verwandelt es Menschen innerhalb dieser Zeit in mordende Bestien. Die Seuche nimmt ihren Lauf…
28 Tage nach diesem Vorfall wacht Jim im Krankenhaus auf und findet sich in einer menschenverlassenen Stadt wieder. Na ja, nicht ganz. Er begegnet neben einigen „Infizierten“ auch anderen Überlebenden. Zusammen mit Jim begeben sie sich auf eine Odyssee, einer Suche nach anderen Menschen, nach Hoffnung und einem Heilmittel. Ist die Menschheit noch zu retten?
 
Kritik
 
 
Die Antwort von Danny Boyle  würde uns vermutlich nicht gefallen.
Das Endzeitszenario präsentiert sich in seinen ersten Minuten von einer düsteren und beklemmenden Seite, sehr melancholisch inszeniert und schauspielerisch absolut überzeugend dargeboten. Auffällig die filmische Inszenierung: Das Bild wirkt ebenso „dreckig“ wie das Szenario, hier kann man schön Danny Boyle´s Handschrift a la "Trainspotting " sehen. Wir fühlen uns in der Anfangsszene an eine farb- und aussichtslose Version von "Vanilla Sky " erinnert.

Doch dann trifft der Protagonist Jim auf die ersten Menschen und der Film versinkt für eine ganze Weile in ein ziemlich tiefes Loch.
Die Charaktere sind allesamt sehr platt, berechenbar und bieten überhaupt keinen Tiefgang. Storytechnisch müssen wir uns dann mit einem Stereotyp eines Helden auf der Suche nach (s)einer Familie zufrieden geben. Es ist ja noch zu vernachlässigen, dass es sich bei den ersten beiden Personen um einen Mann und eine Frau handelt, wobei der Mann natürlich sterben muss, damit die aufkeimende Liebesgeschichte des männlichen Helden mit der weiblichen Hauptrolle eine Chance hat, aber muss denn unbedingt bei den weiteren Charakteren (ein Mann mit seiner Tochter) im Laufe der Geschichte der Vater sterben, damit die kleine, perfekte Familie, bestehend aus Jim, Selena und der gerade zur Waise gewordenen Hannah entstehen kann? Sehr absehbar und vor allem unglaubwürdig, denn Selena, die zu Anfang eine harte Einzelkämpferin war und jedes (Fremd)Opfer eingegangen wäre, um ihr Ziel zu erreichen, entdeckt in einer unbemerkten Minute ihre Mutterinstinkte und kümmert sich liebevoll um das zukünftige Familienmitglied. Rührend…

Damit nicht genug, trifft das „Trio Infernale“ im weiteren Verlauf auf eine paramilitärische Einheit, die angeblich im Besitz eines Heilmittels für die Seuche ist und muss sich dort nicht nur mit Zombiegegnern, sondern auch mit menschlichen Aggressoren auseinandersetzen. Diese sind dann aber so klischeehaft böse und psychopathisch, dass sie angesichts der prekären Lage mehr als unglaubwürdig erscheinen. Sie sind auch mehr ein schlecht organisierter Haufen (trotz militärischer Grundordnung), so dass wir uns schon die Frage stellen müssen, warum diese Handvoll Leute eigentlich so lange überlebt hat. Da werden ganze Munitionsvorräte ins Nichts verschossen anstatt auf Einzelfeuer zu stellen (wir haben ja genug), die Soldaten kümmern sich lieber um ihre Libido als um Zombieabwehr und die Feindseligkeiten untereinander sind scheinbar wichtiger als die drohende Gefahr, so dass die ganze Horde sich dann auch von einem einzigen Infizierten aufmischen lässt. Hmm…

Zum Glück kommt dann aber schon die ordentliche Endsequenz, die den Film wieder einen positiveren Gesamteindruck geben kann.
Der Konflikt spitzt sich, wie zu erwarten war, zu und plötzlich wird klar, was die eigentliche Gefahr darstellt: der Mensch hat immer noch nichts gelernt…
Es gibt zahlreiche sozialkritische Anspielungen, die unter anderem an George A. Romero´s  "Die Nacht der lebenden Toten " erinnern, denn auch da verhielten sich die vermeintlich zivilisierten Menschen teilweise bestialischer als die Zombies, die es zu vernichten galt.

Am Ende bleibt die düstere Frage: Braucht der Mensch einen Virus, um sich auszulöschen?

Zu den im Vorfeld in den Himmel gelobten Spannungsmomenten gibt es ein ernüchterndes Fazit: Sämtliche Szenen mit Schockerqualitäten werden vorbereitet und kommen daher nicht unerwartet. Sie wirken sogar sehr aufgesetzt und stellen uns vor einige Fragen, z.B.: Warum nehmen die vier mit dem Taxi den Weg durch den Tunnel, obwohl sie doch jede Menge Zeit haben? Warum geht Jim an der Tankstelle aus keinem ersichtlichen Grund in ein dunkles Haus? Nur, um uns eben diese Schocker zu liefern, auf die wir aber alle schon vorbereitet sind und somit verfehlen sie ihre Wirkung.

Aber auch wenn es vielleicht im ersten Moment nicht so offensichtlich ist, der Film hat trotz der großen Schwächen eine eigene Qualität, sei es vom sozialkritischen oder kulturpessimistischen Standpunkt her oder von der teilweise detailverliebten Inszenierung. Wäre das Manko der fehlerhaften Story, die uns Fragen schuldig bleibt (Warum töten sich die Infizierten eigentlich nicht gegenseitig?) und der oberflächlichen Charaktere nicht gegeben, hätte das Grundgerüst durchaus jede Menge Potential gehabt.

So bleibt dann der Film aber wie das zitierte Omelett mit faulen Eiern:
Guter Anfang, gutes Ende und in der Mitte riecht es etwas streng…


28 Days Later
Jim im menschenleeren London

Wertung:
Redaktion: Redaktionswertung: 4/7
Leser: Durchschnittsleserwertung: 3.2253521126761

Schnellwertung:


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