"Old School - Wir lassen absolut nichts anbrennen" besonders der deutsche Zusatztitel ist Programm. Old School ist eine Komödie, die mit derbem, aber eben auch sehr seichtem Humor und viel Rockmusik auftrumpft. Wer glaubt, die Zeit am College bestehe aus Partys, Drogen und Bikini-Catchen, sieht seine Meinung bestätigt.
Köstliche Lacher über gerade noch so an der Peinlichkeitsgrenze vorbeigeschlitterte Gags treffen auf abgelutschte Klischees, die selbst für den Zuschauer peinlich sind, wie die Szene, in der ein Schwuler Hausfrauen Nachhilfe im Blasen gibt. Wow.
Auf eine eingehendere Charakterisierung der Hauptdarsteller wird weitestgehend verzichtet. Auch die Zusammenstellung der fürchterlich stereotypen Mitglieder der „Studentenverbindung“ lässt keine Wärme aufkommen. Eine Horde ausgegrenzter Versager formiert sich, um gegen den Strom schwimmend Sympathieträger zu werden. So wird Mitch zum
"Godfather
" und die ganze Verbindung ein Art
"Fight Club
" ohne Prügeln und Weltveränderungssideologie.
Wer’s glaubt.
Regisseur
Todd Phillips 
(
"Road Trip
"), der nicht unbedingt bekannt für tiefgehenden, subtilen Humor ist, hat seine Kenntnisse über Studentenverbindungen als Bereich der sozialen Zusammenkunft eingebracht. Bereits 1998 drehte er
Frat House, eine Dokumentation über Bruderschaften an US-Universitäten. Als Aufnahmeprüfung müssen die Jungs saufen, bis der Arzt kommt! Harter Stoff - den Phillips für Old School jugendtauglich entschärfte und in ein lustiges Kleidchen steckt. Der Clou seiner Darstellung auf den Mythos des wilden Studentenlebens ist nämlich, dass die Helden das College längst verlassen haben und zu Biedermännern mutiert sind, die ihrer verflossenen Jugend nachtrauern und gleichzeitig noch mal an der süßen Verantwortungslosigkeit schnuppern wollen. Mit diesem Thema geht Phillips sogar recht ernsthaft um, was den Gesamteindruck ein wenig stört.
Dabei sind manche der sehr ausgelassenen Gags in ihrer Übertreibung tatsächlich richtig komisch. Nur hätte Phillips auf sein Zugeständnis an verliebte Teenager und reminiszierende Mittdreißiger, eine kaum entwickelte Liebesgeschichte zwischen Mitch und Nicole (
Ellen Pompeo) verzichten sollen. Die aufgesetzten und recht uninspirierten Gefühlswandlungen hemmen den sowieso schon recht stockend verlaufenden Witzfluss.
"Old School" nutzt er jede noch so an den Haaren herbeigezogene Gelegenheit, um alte Gags und Slapstickelemente wieder aufleben zu lassen. Das verspricht klingelnde Kinokassen, insbesondere bei der von
The Matrix-Reloaded möglicherweise überforderten Zielgruppe der 14- bis 19-Jährigen. Doch abgesehen vom anklingenden Charme der gesetzten Hauptdarsteller bleibt der willenlose Mix aus albernen Kalauern und Midlife-Crisis-Farce letztlich fade.
Am Ende steht die nüchterne Moralerkenntnis: Saufen allein macht nicht glücklich.
Fazit: Wer auch ohne subtilen Humor herzlich lachen kann, findet hier bestimmt den einen oder anderen Brüller. Es gab schon Schlechteres in diesem Sommer!