Achtung: Teilweise Spoiler enthalten!
Vorwort:
Hollywood Produktionen in denen sich US-Soldaten auf eine Mission zur Befriedung eines fremden Landes begeben, haben in Europa ob der politischen Weltlage einen unglaublich schweren Stand, wird ihnen doch an jeder erdenklichen Stelle amerikanischer Patriotismus und Propaganda unterstellt. Sicherlich, wenn man bei „Tränen der Sonne“ sucht und unbedingt finden möchte, wird man damit auch Erfolg haben, aber Filme nur auf ihren Heldenpathos und die nationalistischen Elemente zu reduzieren ist auch nicht unbedingt immer der richtige Ansatz. In den USA hatte die 75 Mio. Dollar Produktion von "Training Day
" Regisseur Antoine Fuqua
allerdings mit eingespielten 45 Mio. Dollar ebenso wenig Erfolg wie bislang bei internationalen Kritikern, die selten ein gutes Haar daran ließen. Berechtigt?
Nicht unbedingt, denn bei differenzierter Betrachtung bietet „Tears of the Sun“ ebenso viele kritische Ansätze, die die Befehlsstruktur des Militärs in Frage stellen (auch wenn es sich wieder mal als Retter präsentiert) und uns in gewisser Weise auch unterschwellig die Arroganz der amerikanischen Regierung vorführen in dem auf andere Kulturen keine Rücksicht genommen und ausschließlich amerikanische Staatsbürger gerettet werden sollen. Der humanitäre Aspekt des Films, also die Entscheidung, sich den ausdrücklichen Befehlen des Vorgesetzten (in der stereotypen Verkörperung des Cptn. Bill Rhodes (Tom Skerrit)) zu widersetzen, ist eine zwar pathetische aber dennoch eine persönliche, menschliche Entscheidung von Lt. Waters (Bruce Willis
), die sich in diesem Fall nicht auf die weltpolitische Entscheidungen der US-Regierung abstrahieren lässt, selbst wenn es beabsichtigt sein sollte (das amerikanische Verteidigungsministerium stand beratend zur Seite). Falls wir also „Tränen der Sonne“ propagandistische Ziele unterstellen wollen, müssen wir auch eben diese Fehlleistung in Betracht ziehen, denn in einem ausnahmslos guten Licht steht das „Home of the Brave“ gewiss nicht da.
Blenden wir aber die interpretierbare makropolitische Ebene aus und widmen uns dem Film als solchen!
Zu Beginn bekommen wir dokumentarisches Filmmaterial zu Gesicht, welches den Zuschauer schon auf das da Kommende einstimmt. Da werden unbewaffnete Zivilisten von Soldaten eiskalt erschossen und innerhalb dieser Szenen macht sich eine spürbare Beklemmung im Publikum breit, die sich in der Folge auch über große Teile des Films zieht.
Mit dem Auftreten der Navy S.E.A.L´s in dem Missionsdorf ändert sich diese Grundstimmung nicht, im Gegenteil: durch die gedämpfte und schon fast stoische, aber auch Autorität ausstrahlende Art von Lt. Waters und seinem Team wird die bedrückende Atmosphäre noch verstärkt.
Die Dialoge sind allesamt sehr ruhig und sachlich geführt, ohne dabei in das vom Genre so bekannte Machismo zu verfallen. Die Stimmen werden nicht erhoben, es fallen keine Schimpfworte und es gibt keine Feindschaften bzw. Auseinandersetzungen innerhalb der Einheit. Das ist eine sehr ungewöhnliche Darstellung, die man aus anderen Kriegsdramen nicht gewohnt ist, aber dennoch überzeugend und glaubwürdig.
Die Charakterisierungen der einzelnen Mitglieder beschränken sich zwar zum Großteil auf Bruce Willis, eine Sympathie mit dem Rest der Truppe baut man aber auf Grund des zurückhaltenden Schauspiels trotzdem auf. Auch Bruce spielt wie gesagt seine Rolle sehr zurückhaltend, emotions- und fast lustlos, das passt aber sehr schön zu seinem Charakter, der ständig zwischen den klaren Befehlen der Obrigkeit und seiner aufkeimenden Empathie schwankt.
Das eigentliche Missionsziel, also Dr. Lena Kendricks (von
Monica Bellucci 
nicht sehr überzeugend gespielt) und das obligatorische „Knistern“ zwischen weiblichem und männlichem Protagonisten wirkt zwar vollkommen fehl am Platz, ist aber glücklicherweise auf das Minimum reduziert, es scheint mehr ein Tribut an Hollywood zu sein, den Fuqua nicht sehr bereitwillig zahlt.
Technisch solide bekommen wir stilistische Bilder und lange Einstellungen des nigerianischen Urwalds (die Aufnahmen entstanden übrigens zum Großteil auf Hawaii) zu Gesicht. Diese wechseln sich mit langsamen Kamerafahrten ab, die nur in den sporadischen Kampfhandlungen durch etwas hektischere Steady Cam Aufnahmen und in den extrem spannenden (man hält förmlich den Atem an) „Hide and Seek“ Szenen unterbrochen werden.
In den kurzen Scharmützeln ist das Vorgehen der Spezialeinheit beeindruckend und vor allem authentisch inszeniert: kurz, schnell, hart, von Taktik und Strategie geprägt sind die Zugriffe des Kommandos. Da stimmt jeder Handgriff, jede Aktion ist wohl überlegt und die Erfahrung der Soldaten zeigt sich in ihrem Zusammenspiel. Das wirft natürlich das Bild einer perfekt ausgebildeten Armee auf, aber bei aller kritischen Betrachtungsweise: unrealistisch ist das wohl nicht.
In diesen Szenen zeigt sich auch das zu Anfang in den Dokumentaraufnahmen prophezeite Bild von „Tränen der Sonne“ in seiner ganzen Grausamkeit. Zartbesaitete sollten da unbedingt wegschauen, die Bilder und besonders die dahinter stehende Geschichte lassen das Kinopublikum verstummen und tief in den Sitzen zusammensinken.
Aber eben diese Direktheit der Bilder ist nötig, um einen glaubwürdigen filmischen Grund für die Opferbereitschaft der Navy Seals und den Sinneswandel von Lt. Waters zu liefern, der jetzt nicht mehr teilnahmslos zusehen kann, was mit diesen Menschen geschieht.
Neben den guten Soundeffekten wird die Szenerie von einem atmosphärischen, bis teilweise etwas vordergründigen Score von Musiklegende
Hans Zimmer 
untermalt, der auf afrikanisches Trommel- und Flötenspiel setzt.
Bis hierhin (also ungefähr nach den ersten 90 min.) ist alles wunderbar melancholisch, atmosphärisch, spannend und nicht zu plakativ, doch das folgende letzte Drittel, also der Showdown, besteht in erster Linie aus Actionelementen, die an
"Windtalkers
" oder
"We were Soldiers
" erinnern. Die undefinierbare Masse der Feinde, die eine Spur zu plakativ böse sind, greifen recht stupide an, die Taktik der GI´s ist auch nicht wirklich zu erkennen und der „Endschlag“ gegen die nigerianische Armee ist etwas unlogisch. Überhaupt wirkt das letzte Drittel, als ob es von einem anderen Regisseur stammen würde. Die vorher gelobten fehlenden Machosprüche sind plötzlich da, die pathetischen Parolen steigern sich und das Ende ist schon fast als Kitsch zu bezeichnen und fällt negativ aus dem düsteren Rahmen des Gesamtwerks.
Schade, denn mit einem gelungenen Ende und etwas mehr Fingerspitzengefühl in einigen Szenen wäre für „Tears of the Sun“ mehr drin gewesen als „nur“ 5 Punkte.
Fazit: Atmosphärisch melancholische Mischung aus Kriegsdrama und Action, die am Ende leider etwas abflacht. Trotzdem sehenswert!