Grimassen schneiden und seinen Körper verrenken, was
Jim Carrey 
am besten kann, hat er uns bereits in
Ace Ventura oder
"Der Dummschwätzer
" präsentiert und auch hier ist wieder einmal deutlich die Handschrift von Carrey Dauergeschäftspartner und Regisseur
Tom Shadyac 
zu erkennen. Schön zu sehen, dass Carrey nach seinen Ausflügen ins Charakterfach (
"The Majestic
",
"Die Truman Show
") immer noch zu alter Blödelqualität zurück findet. Was einerseits schön ist, lässt andererseits auch ein bekanntes Muster erkennen. So finden sich im Grunde alle dramaturgischen Elemente und moralischen Ansprüche aus
"Der Dummschwätzer
" auch hier wieder. Einzig dass es diesmal kein Handicap, sondern eine Erweiterung seiner Fähigkeiten darstellt. Dabei besticht
Bruce Allmächtig besonders in den ersten zwei Dritteln des Films durch eine beachtliche Witzdichte, die mitunter dafür sorgt, dass man nach Luft ringen muss. Paradoxerweise sind es aber nicht die Situationen, in denen er allmächtig alles kontrollieren kann, sondern die situationsbezogenen Dialogwitze, die für die ausgiebigsten Lacher sorgen.
Doch was uns an der Oberfläche so unschuldig als menschliche Fantasie vorgestellt wird, einmal Gott sein und tun und lassen was man will, hat unter der Schale des herzlichen Humors eine ernst gemeinte Botschaft, die uns im letzten Drittel des Streifens dann auch unglaublich dick und kindgerecht auf das imaginäre Brot geschmiert wird. Man könnte sogar unterstellen, hierbei handele es sich um einen Versuch der Kirche, Unrecht und Elend auf der Welt zu rechtfertigen. Gott kann nämlich nicht in den freien Willen der Menschen eingreifen. Dieser freie Wille, der das höchste Gut der amerikanischen Verfassung ist, scheint ihm also durch diese entzogen worden zu sein. Auch ist es unglaublich gefährlich, wenn Gott allen Menschen jeden Wunsch erfüllt, das führt zu Chaos. Die einzig logische Konsequenz ist eine gerechtfertigte Entmündigung:
„die Menschen wissen doch gar nicht, was sie eigentlich wollen“. Gleichzeitig aber wächst er mit unserer Zivilisation mit, erhört Gebete per E-Mail, präsentiert sich als tolerant, bodenständig und nicht zuletzt politisch korrekt. Das Gott schwarz ist, ist wohl keine wirkliche Errungenschaft oder Resultat einer produktionsseitigen political-correctness-Direktive, sondern allenfalls eine zumindest in den USA übliche Konvention, der man nichts vorwerfen kann. Ein weißer Gott hätte dem Film womöglich den Vorwurf einer zu konservativen Religionseinstellung eingebracht und die Frau als Gott würde nur allzu schnell als
"Dogma
" Plagiat abgestempelt werden.
Natürlich darf auch die gesellschaftskritische Komponente nicht fehlen. Der Grund für die nahezu ausgebrochene Anarchie in Buffalo war nämlich ein sehr materialistischer. Da Bruce pauschal alle Gebete mit „Yes“ beantwortet hat, gab es in der folgenden Lottoziehung ca. 400.000 Lottogewinner allein in Buffalo. Die Menschen wollen nur Geld und Wohlstand. Natürlich fallen Bruce am Ende und Grace von Anfang an aus diesem Schema heraus. Mit Engelsgeduld erträgt Grace seine egoistischen Jammerei und ist insgesamt das menschlich perfekteste Wesen in diesem Film. Die göttliche Macht in ihren Händen und wir wären alle gerettet. Zu schade.
So bleibt festzuhalten, dass
Bruce Allmächtig eine witzige und wohlüberlegte Komödie ist, die leider zum Ende hin stark abflacht und all ihre Ironie unter die moralische Dampfwalze legt. Was so lustig begann, verfällt Zusehens in eine Mischung aus kitschiger Liebesgeschichte als Aufhänger für zutiefst religiöse Botschaften, die gerade für weniger religiöse Menschen zu unkritisch präsentiert werden. Wer aber darüber hinwegsieht, kann sich auf unterhaltsame anderthalb Stunden freuen.
Fazit: Erst echt lustig, dann viel zu werteorientiert.