So unspektakulär die Inhaltsangabe klingt, so wenig wird sie „Identity“ gerecht, aber mehr darf von der Geschichte nicht verraten werden die
James Mangold 
verwirklicht hat.
Der facettenreiche, da auf kein bestimmtes Genre beschränkte, Regisseur machte sich bereits durch
Copland,
"Girl, Interrupted
" (für den
Angelina Jolie 
ihrerzeit den Oscar bekam) und seinem letzten Werk
"Kate and Leopold
" einen Namen und wird nach „Identity“ in der Gunst des Publikums wieder ein Stück nach oben klettern. Schließlich wurden ihm als Eröffnungsfilm des „Fantasy Filmfest 2003“ die ersten Lorbeeren ja schon verabreicht, nicht zuletzt dank der überzeugenden Vorstellungen von
John Cusack 
und
Ray Liotta 
.
Welche filmischen Mittel hat Mangold aber verwendet, um den, auf den ersten Blick banal wirkenden Plot, doch spannend und unterhaltend zu gestalten?
Das Schlagwort für den Spannungsaufbau und hohen Suspenseanteil lautet
Informationsverteilung! Der buchstäblich „im Regen stehen gelassene“ Zuschauer weiß immer weniger als er eigentlich gerne würden…
Die erste Viertelstunde des Films wird für die Einführung der zehn Charaktere verwendet und bereits hier wird das Publikum stark zum Mitdenken gezwungen. In kurzen Szenen springt der Plot räumlich und zeitlich von einer Person zur nächsten und findet seine Auflösung erst in der Zusammenführung Aller im besagten Motel.
Das Besondere hierbei: Wir sehen erst das Resultat und bekommen anschließend die Ursache geliefert. Diese dramaturgische Note erinnert an das Paradebeispiel für zeitlich versetzte Erzählstrukturen
"Memento
" und kann mit cleveren Schnitten zugleich verwirren und „Lust auf mehr“ machen.
Die folgenden Ereignisse laufen auf das „10 little Indians“ Prinzip hinaus und zeigen die mysteriösen Morde in altbewährter Thriller-Tradition. Stilistisch hat sich Mangold hierbei vom „Master of Suspense“
Alfred Hitchcock 
inspirieren lassen. Die Kammerspielähnlichen Szenen erinnern an
"Rope
" (Cocktail für eine Leiche) und der Schauplatz an sich (vgl. Bate´s Motel) bringt mit den düsteren Bildern, dunklen Farben und Dauerregen unweigerlich die Assoziation zu
"Psycho
" mit sich.
Doch derer Anspielungen nicht genug, der filmkundige Beobachter findet zahlreiche Details aus Horrorklassikern wie
"Friedhof der Kuscheltiere
",
"Shocker
" oder
"Shining
" und offenbart das „zweite Gesicht“ von Identity…die Mixtur aus einzigartiger Grundidee und Aufbereitung alter Werte als Hommage an seine Vorbilder.
(Nettes Detail am Rande: Das Filmzitat „As I was going up the stair I met a man who wasn´t there! He wasn´t there again today! I wish, I wish he´d stay away!” stammt von dem amerikanischen Poeten Hughes Mearns und war bereits Namensgeber für Joel und Ethan Coen´s
"The Man Who Wasn´t There
".)
Wer allerdings meint, mit dem Hintergrundwissen der Vorlagen der Lösung näher zu sein als der „unbedarfte“ Zuschauer, irrt. Im Gegenteil! Gerade durch das vorbelastete Denken („jetzt passiert x, weil das in Film y auch so war“) wird man zusätzlich in die Irre geführt.
Bei der Auflösung wird viel dem Auge des Betrachters überlassen. Durch Schärfenverlagerung wird die Aufmerksamkeit vom Bildvordergrund auf den Hintergrund gelegt und es gibt häufig Sachen zu entdecken, die zwar filmisch codiert aber nicht inhaltlich erklärt werden. Man muss sich schon seine eigenen Gedanken zu dem Gesehenen machen um des Rätsels Lösung Schritt für Schritt näher zu kommen. Einige eingestreute Hilfestelllungen seitens des Regisseurs vereinfachen zwar das Verständnis, aber das Finale wird in bester
"The usual suspects
" Manier doch die Meisten mit einem gewaltigen Augenöffner nach Hause schicken…
Dort angekommen beginnt man, den Film im Kopf noch mal durchzuspielen und entdeckt immer mehr Parallelen und Verweise, die „Identity“ nach dem an sich schon guten Kinoerlebnis (6 Punkte für „Otto-Normal-Kinogänger“) für Cineasten noch einen zusätzlichen
Nostalgiepunkt vergeben lassen (7 Punkte in der „dritten Halbzeit“). Klasse!
Intelligenter Psychothriller, der vor allem für Filmkenner viel zu bieten hat!