Als
Stan Lee 
im Jahre 1962 auf die Idee kam den Wissenschaftlers Bruce Banner wie
Dr. Jekyll und Mr. Hyde mit seinen zwei Identitäten zum ersten Comic-Antihelden werden zu lassen, hätte er sich den kommenden Erfolg wohl nicht in seinen kühnsten Träumen ausgemalt. Noch heute, über 40 Jahre nach der Veröffentlichung des ersten Hulk-Comics, erscheinen neue Geschichten vom Mann mit den Selbstbeherrschungsproblemen, der bei Wutanfällen oder Stress zum grünen Monster mutiert. Da war es keine Frage, dass auch dieses Marvel-Comic heute, da der Erfolg nahezu garantiert und die technischen Möglichkeiten endlich gegeben sind, auf größtmöglichem Hollywood-Niveau aufs Zelluloid gebannt wird. Seine Vorgänger
Spiderman und
"Daredevil
" haben es eindrucksvoll vorgemacht. Doch etwas unterscheidet
Hulk von den anderen. Während der Spinnenmann und der blinde Anwalt ihre Superkräfte zur Rettung anderer und eventuell der ganzen Welt einsetzen, ist dieses grüne Ungetüm größtenteils mit sich selbst beschäftigt.
Hulk ist kein Superheld! Obwohl natürlich auch er herzensgut ist, steht sein Nutzen in keinem Verhältnis zu dem Schaden, den seine Metamorphosen verursachen. So ist es auch nicht verwunderlich, dass seine Gegner (abgesehen von Glen Talbot) auch nicht mit der üblichen Weltherrschaftsmotivation ausgestattet sind. So steht hier auch nicht der klassische Kampf
„Gut gegen Böse“ im Vordergrund, sondern ein abgeschwächter
„Gefährlich gegen nationale und persönliche Interessen“.
Ein weiteres Problem des Kolosses (so „Hulk“ übersetzt) ist seine absolute Übermacht. Was stellt man jemandem als Gegner gegenüber, der unverwundbar ist? Kugeln prallen von ihm ab, Raketen fängt er auf und Panzer wirft er weg. Sogar Kampfhubschrauber fängt er aus der Luft. Er ist resistent gegen jede physische und chemische Waffen des Militärs. Da es aber auf die Dauer nicht spannend ist, zu beobachten, wie Hulk nichts passiert, waren die Filmemacher, allen voran Regisseur
Ang Lee 
genötigt, dem grünen Wüterich ebenbürtige Gegner zu erschaffen. Diese Not ist gleichzeitig eine der größten Schwächen des Films. Die mit seinen Genen manipulierten Hunde sind ihm zwar ebenbürtig, aber wirken aufgesetzt und wie ein Fremdkörper in der Geschichte, ebenso wie der „Endkampf“, auf den aus Spoiler-Gründen nicht weiter eingegangen werden soll.
Wie bereits erwähnt, ist Figur des Hulk eine der erfolgreichsten Comicfiguren der Geschichte. Neben den Heften und der obligatorischen Zeichentrickserie kann der „Unglaubliche Hulk“ sogar auf eine echte Fernsehserie aus den Ende 70er –Anfang 80er Jahren zurückblicken. Diese zwar für heute lächerliche Interpretation hat eine durchaus nicht zu unterschätzende Fangemeinde gewonnen. Dennoch fingen schon dort die Probleme einer Comicadaption an. Da es vor 25 Jahren noch keine tauglichen Computereffekte gab, musste der Hulk durch einen „echten“ Menschen dargestellt werden. Anders, als in den ersten Comics, ist der Serienhulk nicht mehr politisch motiviert, der kalte Krieg ist Ende der 70er kein ernstzunehmendes Thema mehr. Und auch der Name des Helden ist paradoxerweise nicht
Bruce sondern
David Banner. Der Grund dafür ist nicht überliefert, wahrscheinlich aber sollte nur die Marvel-typische Namensalliteration (Bruce Banner, Peter Parker, Matt Murdock, Lana Lang) umgangen werden.
Lou Ferrigno 
ist durch diese Rolle bis heute eine Kultfigur, der sich auch
Stan Lee 
nicht entziehen konnte. So hat der gute Lou in den ersten Minuten des Films einen kleinen Cameo-Auftritt bekommen, der für ein sympathisches Raunen im Kino sorgt. Doch der eigentliche Held des Films ist heute ein rein computergenerierter. Und wer sich fragt, wen man dort sieht, nicht
Eric Bana 
, sondern Regisseur
Ang Lee 
persönlich stand Model für Mimik und Motion-Capturing! Wenn du willst, dass etwas gut wird, mach es selbst. Hervorgehoben werden sollte noch die Verwandlung von Wissenschaftler Bruce Banner zum Hulk. Dies ist den Grafikdesignern von „Industrial Light and Magic“ wirklich gut gelungen. Die Haut unseres Protagonisten läuft langsam grün an, seine Muskeln schwellen an, er beginnt zu wachsen, die Kleidung spannt auf der Haut und beginnt letztlich zu reißen. Die gesamte Umwandlung wirkt sehr harmonisch auch in ihrer Umkehrung. Einzig das Phänomen der „superelastischen Hose“ bleibt auch hier erhalten, und ungeklärt.
Ist man skeptisch, kann man, zweifelsohne zu Recht, behaupten, dass Hulk auf einem banalen Plot aufbaut. Hält man sich aber vor Augen, dass es sich hierbei immer noch um eine Comicumsetzung und nicht um eine anspruchsvolle Literaturverfilmung handelt, geht das vollkommen in Ordnung. Das war auch bei anderen Genrevertretern nicht anders. Regisseur
Ang Lee 
und Drehbuchautor
James Schamus 
ist gelungen, was den bisherigen Comic-Verfilmungen stellenweise fehlte: der eigentliche Comic-Flair. Um diesen aufkommen zu lassen, benutzte er Split-Screen Techniken, bei denen er teilweise zwei Personen an unterschiedlichen Orten optisch zusammenbrachte oder verschiedene Einstellungen derselben Szene zeigte. Schuss-Gegenschuss nunmehr nur noch räumlich nicht aber zeitliche getrennt. Außerdem lies er des Öfteren scheinbar unpassende Vorder- und Hintergründe verschmelzen oder tauschte schlichtweg nur den Hintergrund aus. Für die akustische Untermalung von Ang Lees Bildern sorgte Qualitätsmusiker
Danny Elfman 
, der wie gewohnt die passenden Töne anschlug. Ang Lee gelingt es also, seinen künstlerischen Anspruch mit dem kommerziellen der Universal-Studios zu verschmelzen und den Hulk als Hauptdarsteller in einem Drama mit Actionelementen zu zeigen.
Alles ist allem ist Lee’s Interpretation von Lee’s Comic von der ersten bis zur letzten Minute eine Hommage an das Comic-Genre. Gut gewählte Darsteller, die ihre Fähigkeiten zeigen, tolle Effekte und Schnitte bilden die positiven Aspekte der insgesamt gelungenen Verfilmung. Stellenweise etwas langatmige Sequenzen am Anfang und die bereits erwähnten „Problemgegner“ markieren die Schwächen. Letztendlich wird es bei solchen Werken immer ein weites Spektrum an Meinungen geben, aber wirklich enttäuscht sollte niemand sein.
Fazit: Auch Marvels Antiheld kann überzeugen