Ob Extremflops (Lolita) oder Publikumserfolge (
9 ½ Wochen 
),
Adrian Lyne 
polarisiert wie sonst vielleicht nur
Paul Verhoeven 
. Seine Filme enthalten meistens viel Zündstoff, der besonders die amerikanischen Sittenwächter laut aufheulen lässt. Mit diesem Werk hat er es anscheinend einmal ein bisschen ruhiger angehen lassen. Jedoch, lassen Sie sich nicht täuschen, denn
Jacob´s Ladder ist ein Film über Krieg, Tod und Trennung, und die Kunst, damit fertig zu werden. Das Ganze ist in einen Psychothriller verpackt, der den Zuseher durch Wendungen, Zeitsprünge, surreale Sequenzen und ein völlig überraschendes Ende völlig in seinen Bann zieht.
In Österreich lief dieser Film fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit, und das ist sehr schade. Anscheinend waren die Verleiher nicht gewillt, diesem Film ein besseres Marketing zukommen zu lassen. Vielleicht ist das der Grund, warum Lyne durch skandalträchtige Themen auf seine Arbeit aufmerksam machen will, um sozusagen Werbung in eigener Sache zu betreiben.
Jacob´s Ladder könnte man am besten als "kafkaesk" beschreiben. Jacob wird in einen immer weiteren Strudel von Ereignissen getrieben, welche sich einfach nicht erklären lassen. Und das schlägt sich auch in der Optik nieder. Alles ist in ein düsteres Licht getaucht, welches eine trostlose Stimmung erzeugt, die dem Zuschauer die Hoffnungslosigkeit der Figur des Jacob Singer näher bringen soll. Selten gibt es Szenen, die am Tag spielen, und wenn, dann scheint immer ein gewisser Schleier in der Luft zu liegen, der das Sonnenlicht abblockt. Anscheinend wollte Lyne auch die Enttäuschung der Vietnamveteranen zeigen, die nach ihrer Rückkehr nicht als Helden, sondern als Verbrecher gesehen wurden.
Lyne spickt seinen Film mit surrealen Szenen, in denen er auch kleine Effekte einsetzt, die jedoch in ihrer Wirkung ganz groß sind. Wenn Jacob auf einer Party inmitten der Leute einen Mann sieht, dessen Kopf sich ultraschnell bewegt und ein Monster, welches seinen schleimigen Schwanz um Jacobs Freundin schlängelt, dann läuft einem ein Schauer über den Rücken. Auch in seinen Fantasien erlebt der Hauptdarsteller Schlimmes. Er kommt nach einem Unfall in eine eigenartige Klinik, in der Kranke und geistig Behinderte auf dem Boden liegen. Am Operationstisch festgebunden, wollen ihm die Ärzte Schreckliches antun, und die Hilflosigkeit Jakes ruft eine extreme Beklommenheit beim Zuseher hervor.
In Jacob´s Ladder weiß man nie, was gerade real ist. Wie ein roter Faden zieht sich die kurze Parallelhandlung über Jacobs Zeit in Vietnam durch den Film. Beide Handlungen enden gleichzeitig, und damit auch der Film. Lynes Timing für Szenenwechsel und schnelle Schnitte ist perfekt. Er lässt den Zuseher die Ängste des Hauptdarstellers miterleben. Beide wissen nicht, was vor sich geht, und dadurch baut sich eine ungeheure Spannung und Neugier auf.
Tim Robbins in einer seiner früheren Rollen ist mit seinem Haarschopf fast nicht wiederzuerkennen. Wie später in Die Verurteilten spielt er einen verzweifelten Mann, den das Schicksal in eine fast auswegslose Lage gebracht hat. Robbins spielt Jacob Singer mit einer kindlichen Unschuldigkeit, die es dem Zuseher leicht macht, ihn zu mögen. Danny Aiello, der den Chiropraktiker Louis verkörpert, hat nur eine kleine, aber immens wichtige Rolle. Er ist eine Art väterlicher Freund für Jacob, der gar nicht real zu sein scheint. Treffend ist dabei die Szene, in der Jacob auf dem Rücken liegend zu Louis sagt, er sähe aus wie ein Engel. Louis ist wie ein Schutzpatron, der Jacob immer wieder gute Ratschläge gibt, sie jedoch irgendwie in Rätsel packt, die bei erstem Hinhören nichts bedeuten. Die restlichen Nebenrollen sind gut besetzt (Jason Alexander aus Seinfeld, Elizabeth Peña) und runden den sehr guten Gesamteindruck des Filmes ab.
Fazit: Ein Thriller, der Sie bis zum Ende im Dunkeln tappen lässt und dessen Auflösung eher einer Erlösung gleich kommt.