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Network
Original-Titel: Network
Land/Jahr: USA / 1976
Genre: Thriller
Mit: Faye Dunaway .... Diana Christensen
William Holden .... Max Schumacher
Peter Finch 1
Robert Duvall .... Frank Hackett
Regie: Sidney Lumet
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    Beinahe prophetische Satire über das Fernsehen und jene Dinge, welche ein Sender für Zuschauerquoten macht.

    Eine Kritik von Thomas Vesely, 26.09.2000
 
Inhalt
 
 
Der erfolglose Fernsehsender UBS wird allmählich von einem anderen Unternehmen, der CCA, übernommen. Ein neuer Ton wird angeschlagen, d. h. die Hemmschwellen von Ethik und Moral werden von den neuen Managern stark gesenkt. Es zählen nur noch die Einschaltquoten. Als erstes benachrichtigt man Howard Bale (Peter Finch ), den langjährigen Nachrichtensprecher, dass er wegen seiner zu niedrigen Einschaltquoten entlassen werde. Verzweifelt kündigt Bale in seiner live übertragenen Sendung an, er werde morgen zum Schluss seiner Laufbahn live vor der Kamera Selbstmord begehen und sich "das Hirn rauspusten". Diese Ankündigung bewirkt zur Freude des Senders eine Erhöhung der Einschaltquoten. In seiner letzten Sendung widerruft Bale seine Selbstmordabsicht. Er erklärt, ihm sei "die Scheisse ausgegangen", die er so täglich über das Fernsehen verbreite. Jede Nachricht, die er während seiner Laufbahn über den Sender erzählt habe, sei entweder wirklich geschehen oder erfunden. Da Bales letzte Sendung noch höhere Einschaltquoten ergibt, entscheidet sich der Sender, Bale doch nicht zu feuern. In der nächsten Sendung schreit der zunehmend unberechenbare Bale seinen Frust über den die aktuelle politische Lage und die Depression über den Äther, und fordert die Zuschauer auf, dasselbe zu machen. Tatsächlich schreien die Leute in allen Städten dasselbe aus den Fenstern: "Ich bin verdammt wütend und ich mache das nicht länger mit!" (I´m mad as hell and I´m not going to take it anymore!). Die Folge ist ein rekordverdächtiger Anstieg seiner Einschaltquoten. Daraufhin bekommt Bale seine eigene Show, in der er täglich als "wütender Prophet des Äthers" über ein Thema wettern kann, welches ihm auf dem Herzen liegt. In seiner ersten Show erklärt er den Zuschauern die Absurdität des Fernsehens und fordert sie auf, den Fernseher auszuschalten. Die Zuschauer sind begeistert und Bales Einschaltquoten steigen weiter. Schliesslich beginnt Bale gegen die Übernahme des Fernsehsenders zu protestieren. Er fordert die Zuschauer auf, Telegramme ans Weiße Haus zu senden, um das Geschäft platzen zu lassen. Als dieser Deal tatsächlich aufgrund Bales Aufforderung auf Eis gelegt wird, erkennt die Sendeleitung die Macht, welche von Bale ausgeht. Doch wie kann der Sender den rasenden und unkontrollierbaren Zuschauermagneten stoppen ohne die Zuschauerzahlen zu verlieren? Wie kann das Geschäft des Senders dennoch abgewickelt werden? Wie weit wird das Unternehmen gehen, um weiterhin hohe Einschaltquoten zu erhalten?
 
Kritik
 
 
Die spannungsgeladene Geschichte wird aus der Sicht von Bales bestem Freund Max Schuhmacher (William Holden ) erzählt. Über diesen erlebt der Zuschauer auch das Leben der Diana Christensen (Faye Dunaway ), welche als Managerin der Show und Repräsentantin der Fernsehgeneration einen klaren Kontrast zu den restlichen Charakteren bildet. Durch sie erleben wir die Perspektive des sensations- und quotenlüsternen Senders, während wir durch Max die Realität und somit die Absurdität der Situation erleben. Das Thema ist typisch für einen Film aus den siebziger Jahren. In dieser Zeit der Unsicherheit und des grossen Misstrauens gegen die eigene Regierung existierten Wut und Frustration über die zunehmende Ohnmacht des Individuums angesichts der Megakonzerne. Diese alles gipfelte in den achtzigern, so dass der Film für die damalige Zeit schon auf die Probleme hinwies. Die in den sechziger Jahren gepriesenen Individuen verschwinden, was nun zählt ist der Materialismus: Konzerne und Gewinn, in diesem Falle durch die Einschaltquoten. Doch das Thema ist keineswegs veraltet! Was früher als übertriebene und absonderliche Phantasie gefilmt wurde, entspricht heute zum grössten Teil der Realität. Ist Reality-Soap vielleicht der erste Schritt zu einem Reality-Thriller? Im Film und dessen Motto "Ich bin verdammt wütend und ich mache dies nicht länger mit!" wird in den Vordergrund gedrängt, was viele von uns Filmfreaks gerne vergessen: Das Fernsehen ist nicht die Realität. Wir sind die Realität, und den Sinn unseres Lebens ersehen wir nicht aus der Glotze. Doch manche sehen dies nicht ein. Wie sonst ist es zu erklären, dass vor ein paar Jahren in Japan ein Mann nach mehreren brutalen Filmen den Bezug zur Realität verlor und Amok lief? Im Zeitalter des Reality-TVs erreicht Regisseur Sidney Lumets  Film geradezu eine erfüllte Prophezeiung. Drehbuchautor Paddy Chayewski  führt uns nur wenige Schritte voraus, denn die Ereignisse im Film sind nicht mehr so unwahrscheinlich, wie sie es dem Zuschauer in den siebziger Jahren erschienen. Network erhielt 1976 neun Oskarnominationen, wovon er vier gewann: Peter Finch , erhielt den Oskar posthum als bester Hauptdarsteller für seine Leistung. Einen weiteren erhielten Faye Dunaway  als beste Hauptdarstellerin, Beatrice Straight  als beste Nebenrolle und Paddy Chayefski  für das beste Drehbuch. Dass Sylvester Stallones  Rocky I  den Oskar des besten Filmes vor Network bekam, liegt vermutlich an der weniger anspruchsvolleren Thematik und seiner dazu verhältnismässig kleineren Popularität. Nebenbei bekam Network einen Platz unter den besten 100 U. S. Filmen, welche jemals gedreht wurden. Dieser anspruchsvolle Film hat alles, eine beinahe perfekte Besetzung, ein fantastisches Drehbuch und einen exzellenten Regisseur, welcher ausgezeichnete Arbeit leistet. Er lässt sich mehrfach anschauen und besticht durch seine grandiosen sozialkritischen Monologe. Bemerkenswert ist die Beschriftung auf der Titelseite der DVD-Hülle. Nur ein, zwei Darsteller sind mit dem richtigen Namen beschriftet. Soll dies die unzuverlässige Wahrheit eines Senders darstellen oder unterlief dem Verantwortlichen tatsächlich ein Fehler?


Network

Wertung:
Redaktion: Redaktionswertung: 7/7
Leser: Durchschnittsleserwertung: 3.4285714285714

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