Bei
Das Dschungelbuch handelt es sich um den letzten abendfüllenden Disney-Film, an dem der
Namensgeber 
der Riesenfirma noch selbst beteiligt war. Zwar verstarb Walt Disney 1966, also über ein Jahr vor der Veröffentlichung, doch war er noch an der Entwicklung der Geschichte beteiligt. Dennoch merkt man dem
Dschungelbuch ein wenig von der kommenden Ära an: Die Geschichten wurden stromlinienförmiger, die Animationen weniger detailliert. In
Das Dschungelbuch verließ man sich zum ersten Mal weniger auf die Rhythmik der Bewegungen, um die Charaktere zu definieren, als auf altbekannte Stimmen, an die die Figuren angelehnt wurden. Altmime
George Sanders 
etwa spricht im Original den majestätisch-bedrohlichen Tiger Shir Khan, Jazzlegende
Louis Prima 
trumpft als Affenkönig Louie auf und
Phil Harris 
´ Intonation des Balu ist Legende. Die deutsche Synchro, über der ein wenig der Geist von Wenzel Lüdecke Mitte der 60er schwebt, kann da nicht ganz mit, ist allerdings durchaus in Ordnung (wenn Bär Balu mal "knorke" sagt, ist das mittlerweile schon wieder sehr komisch). Nicht synchronisiert wird ja glücklicherweise die Musik selbst, der vielleicht wichtigste Bestandteil des
Dschungelbuchs. Zwischen den aus zahlreichen Kolonialismusepen gewohnten indischen Motiven und swingender Ausgelassenheit pendelt der Score und ist hauptverantwortlich für den reibungslosen Übergang von Komik und kindgerechter "Bedrohung."
Besondere Erwähnung verdienen hier vor allem die Szenen mit der Schlange Kaa, deren oszillierende Hypnoseaugen samt schmeichelndem Gesang einem Acid-Trip genauso nahe stehen wie die irren Tänze King Louies oder die gelegentlichen Aussetzer Balus, der sich manchmal wie ein wahrer Sexguru aufzuführen scheint, wenn er sich genüsslich an allem Umstehenden reibt. Solche Abartigkeiten, die sich erst (oft beim Wieder-Sehen) dem Erwachsenenauge erschließen, haben natürlich auch einiges mit dem Reiz der Disney-Animationswelt zu tun. So sauber, so rein wollte der schon immer seine garantiert familienfreundliche Unterhaltung haben, dass er seine Angestellten in streng überwachte Trutzburgen sperrte - kein Wunder, dass sie auf die eine oder andere Art revoltierten.
Revolution ist natürlich kein Thema im
Dschungelbuch - abgesehen von den oben erwähnten Zwischenspielen hat man Rudyard Kiplings Kurzgeschichten in eine leicht konsumierbare Abfolge von Sketches rund um einzelne Charaktere entstellt (von denen Mogli dann immer etwas lernen kann, auch wenn er sich dagegen wehrt - der didaktisch-konservative Zug Disneys ist halt doch nie ganz zu überwinden), die vor allem dank des lebhaften Soundtracks und weniger wegen der Animation Freude machen. Das allerdings hat sich in den über dreißig Jahren seit seinem Erscheinen nicht geändert. Auch wenn er als Drogenfilm natürlich interessanter bleibt. Wie Bär Balu auf deutsch als Devise ausgibt:
"Probier´s mal mit Gemütlichkeit."