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Für ein paar Dollar mehr
Original-Titel: For a few Dollars more
Land/Jahr: Italien / 1965
Genre: Western
Mit: Clint Eastwood .... The Man With No Name (Manco)
Lee Van Cleef .... Colonel Douglas Mortimer
Gian Maria Volonté .... Indio
Klaus Kinski .... Hunchback
Regie: Sergio Leone
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    Zweiter Teil von Leones Dollar-Trilogie: Clint Eastwood und Lee van Cleef auf der Jagd nach einem geisteskranken Verbrecher.

    Eine Kritik von Christoph Huber , 20.06.2000
 
Inhalt
 
 
Monco (Clint Eastwood ) verteilt wortlos die Karten im Saloon: er gewinnt. "Worum haben wir gespielt?" fragt sein Gegenüber. "Um dein nacktes Leben", antwortet Monco - und setzt die Ankündigung in die Tat um. Ein weiterer Kopfgeldjäger, Colonel Mortimer (Lee Van Cleef ) beweist in der Zwischenzeit den Vorzug eines genau beherrschten Schußwaffenarsenals an einem weiteren Gesuchten. Der weitere Handlungsverlauf führt sie auf dieselbe Fährte. Indio (Gian Maria Volonté ), schwer psychopathisch, ist gerade von seiner Bande aus dem Gefängnis befreit worden und stellt erstmal seinen Hang zur Gewalt unter Beweis: Bevor derjenige, der ihn verpfiffen hat, sich ihm vergeblich zum Duell (das zu Indios Spieluhr choreographiert ist) stellen muss, werden Frau und Kind beseitigt. Kein Wunder, daß Monco und Mortimer auf das Kopfgeld scharf sind - mal zusammen, mal gegeneinander arnbeiten sie daran, die versammelte Lösegeldprämie (Indio plus Bande) in die eigene Tasche zu bringen. Monco infiltriert Indios Bande, Mortimer beobachtet das Ganze von außen. Indio überfällt (nur zur Erinnerung: schwer geisteskrank) nämlich die bestgesichertste Bank des Westens - mit Erfolg. Monco und Mortimer helfen ihm das Geld aus dem Safe zu bekommen und wollen sich gleich damit absetzen - ein krasser Fehler: Von Indios Schergen erwischt, werden sie ordentlich verprügelt, bevor sie Indio heimlich auf freien Fuß setzt, um seine Bande hinterherzuschicken und sich alleine mit dem Geld abzusetzen. Kann nicht gutgehen, und tut es auch nicht. Monco und Mortimer kehren zurück, um Indio zum Schlußduell zu fordern.
 
Kritik
 
 
Mit Für eine Handvoll Dollar  hatte Leone  den Italowestern zu einer lukrativen Sache gemacht - seine radikale Umformung des Westerns in ein absurdes Ritual aus schwarzem Humor, genüßlicher Gewalt und irisierender Musik war zum richtigen Zeitpunkt gekommen. Dennoch ließ der erste Film der Dollar-Trilogie nur ahnen, was in Leone als Regisseur steckte - erst mit Für ein paar Dollar mehr zeigte der Regisseur, wie er sich sein Kino vorstellt.

Das beginnt noch vor dem Vorspann: ein Pfeifen, die Totale einer Landschaft mit einem einsamen Reiter. Kaum hat sich der ein Stück Wegs vorgearbeitet, reißt ihn ein Schuß vom Pferd - und der Titel kommt. Das hat mit der Handlung Null zu tun, setzt aber genau die Stimmung für das, was folgt: vertrocknete Landschaften, wortfaule Komik und der Moment, in dem die aufgestaute Spannung sich in einem Schuß entlädt. War Für eine Handvoll Dollar noch zusammenhängend gestaltet, geht Leone jetzt zu seiner bevorzugten Inszenierungsweise über: eine Serie von unabhängigen Kabinettstückchen aus Gewalt, Witz, Oper, Beleidigung und Schweißtropfen, die mehr nebenher eine Art Handlung formen. Das übrigens nicht ohne Selbstironie: Einmal schickt Colonel Mortimer Monco mit Indios Bande nach Norden, Monco will sie prompt nach Süden reiten lassen, Indio entscheidet sich also für Osten - wo sie Colonel Mortimer schon erwartet und eine schöne Serie nicht ganz lupenreiner Assoziationen vorlegt, die sein Hiersein erklärt. Das ist nicht besonders logisch, aber es macht Sinn, wenn man den Film als Spiel begreift - und das ist er letztendlich auch.

Tatsächlich bieten alle Handlungswendungen immer wieder nur Vorwände, um auf einen Höhepunkt zuzusteuern - das nächste Duell lauert immer schon um der Ecke, der nächste Witz auch. Mit Für ein paar  Dollar mehr treibt Leone die Grundidee seiner Westernumschreibung voran: anstelle von Helden gibt es nur mehr bounty killers - die "Guten" hier töten, um zu leben. Und ihr Verhalten ist dementsprechend: In einer der witzigsten Szenen des Films schießen Eastwood  und Van Cleef  minutenlang die Hüte zuerst von des anderen Kopf und dann immer weiter weg, um sich gegenseitig zu demütigen. Das ist beiden aber kein Wort wert (und jeder Andere hätte von ihnen vermutlich eine Kugel in den Rücken bekommen - geht aber nicht, weil beide noch für die Handlung gebraucht werden): Nicht zuletzt das Understatement im Spiel von Eastwood (der gegenüber dem Vorgänger einiges an Selbstironie dazugelernt hat) und van Cleef gibt die Devise aus - das Duell ist das Grundprinzip der Handlung, seine Abwicklung erfolgt in einer Mischung aus kalter, schöner Funktionalität und niederträchtiger Ironie. Für den nötigen Schuß Sadismus sorgt Gian Maria Volonte als Indio - immer knapp vorm nächsten Meuchelmord gibt es für ihn nur noch kurze Ruhemomente, wenn er sich zwischendurch einen abgefuckten Joint zur Beruhigung reinzieht. Es gibt keine Gutmenschen in Leones Dollar-Universum - nur noch Abstufungen an Gewaltbereitschaft.

Das allerdings gilt für alle Filme der Dollar-Trilogie: Den großen Schritt vorwärts zeigt hier die gewonnene Sicherheit in der Inszenierung. Mit sicherer Hand vermischt Leone hier einzelne Vignetten zum ganzen: sei es die wunderschön getimete Szene um den Bankeinbruch, sei es die köstliche Nebenrolle von Klaus Kinski , der sich mit Lee van Cleef verfeindet, als dieser ein Streichholz an seinem Buckel anreibt - all das ist in sich geschlossen inszeniert, mit Leones Vorlieben für exzessive Verzögerung durch Nahaufnahmen zusammengebunden. Man könnte durchaus szenenweise Stücke aus diesem Film entfernen, ohne das es der Handlung abträglich wäre - den Stil machte man dadurch kaputt. Hier zeigt sich nämlich zum erstenmal des Regisseurs außerordentliches Gespür für Timing (nicht umsonst meinte er später einmal der Hauptdarsteller seiner Filme sei die Zeit): in der abwechselnden Bevorzugung von Gewalt und Komik gibt Leone diesem Film seinen eigentümlichen Ton. Die Komik des Vorgängers wird hier nämlich ausgebaut zu einer prallvollen komischen Oper: Szenen schieben sich ein, in denen alte Männer mit lebendigen Bärten den vorbeifahrenden Zug überschreien oder wo von gigantischen Sombreros umrahmte Pistoleros ihre furchtlose Miene angesichts der Schießkünste von Monco und Mortimer verlieren. Daß die zweite, fast ausschließlich nachts spielende Hälfte den unbekümmerten sardonischen Humor des ersten Teils ablegt, deutet nicht nur auf spätere Filme des Regisseurs voraus - zum ersten Mal erlaubt sich Leone auch die von ihm so geliebte ausgedehnte Rückblende, die die Funktion von Indios Spieluhr erklärt - und den Grund, warum Mortimer ihn verfolgt.

In dieser Spieluhr bündeln sich auch die Vorzüge von Leones zweiten Film: Nicht nur ist sie ein clever ausgedachtes Gadget, das letztendlich die Handlungsepisoden zusammen (und auf den zwingenden Showdown zu) führt, sie gibt auch Anlaß für Morricone , seine bereits im Vorgänger revolutionäre Musik auszubauen. Rund um die Melodie der Uhr orchestriert er die Duellszenen und überlegt das Geklingel mit Gitarrenstakkatos und Rhythmusgruppen, die das Metronom für die genüßlich ausgewalzten Nahaufnahmen schweißdurchtränkter Gesichter geben und Leones hervorragende Schnittarbeit zusätzlich intensivieren. Mit Für ein paar Dollar mehr gelang Leone endgültig die Emanzipation von alten Mustern - auch wenn der Film noch ein paar kleine Schwächen hat (eine gewisse Unausgewogenheit zwischen den zwei Hälften, ein schreckenerregend hohl klingender Moment, in dem Monco davon erzählt, daß er sich mit dem gemachten Geld zur Ruhe setzen will), ist er der erste wirklich ausgereifte Film seines Regisseurs.


Für ein paar Dollar mehr
Pfeife und Buckel: zwei beliebte Modeaccesoires aus schäbigen Zeiten

Wertung:
Redaktion: Redaktionswertung: 7/7
Leser: Durchschnittsleserwertung: 6.7142857142857

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Filmblog September 05 (13 Filme)
von hermann



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